Kooperation

Tschechien reguliert unseren Pegel

Hochwasserschutz: Stadt Lauenburg möchte die länderübergreifende Zusammenarbeit ausbauen

Die Elbe schert sich nicht um Grenzen. Was banal klingt, ist in der Praxis des Hochwasserschutzes längst nicht selbstverständlich. Jetzt scheint es aber, als würden Deutschland und Tschechien es ernst meinen mit der Zusammenarbeit in Sachen Hochwasserschutz - und die Stadt Lauenburg mischt dabei kräftig mit.

Rund 80 Prozent des Elbe-Hochwassers im vergangenen Jahr kamen aus dem tschechischen Einzugsgebiet, vor allem aus der Moldau. Dort dient eine Reihe von Talsperren, die sogenannte Moldau-Kaskade bis zur Quelle bei Lipno, auch dem Flutschutz. Die unbequemen Fragen ließen daher nicht lange auf sich warten: Haben die Verantwortlichen in Tschechien zu lange mit dem Wasserablass aus den Stauseen gewartet, so dass für das erwartete Hochwasser nicht genügend Staureserve vorhanden war? Wurde danach zu schnell und zu viel Wasser abgelassen, so dass sich durch den Zufluss der Moldau der Elbepegel flussabwärts dann derart dramatisch erhöhte?

Fakt ist, alle Entscheidungen im Oberlauf der Elbe haben im Ernstfall unmittelbare Auswirkungen auf die Situation in Lauenburg. Nicht zuletzt deshalb laufen die Fäden der Arbeitsgemeinschaft "Hochwasserschutz Elbe", der 21 Kommunen angehören, in Lauenburg zusammen. Seit mittlerweie 2008 hat die Stadt die Geschäftsführung inne und wird durch den Leiter für Stadtentwicklung, Reinhard Nieberg, vertreten.

Doch nur unter Einbeziehung der tschechischen Interessen kann es einen wirksamen Hochwasserschutz für die Gebiete entlang der Elbe geben. Dies ist der Grund, warum Nieberg in der vergangenen Woche zu einem Symposium "Grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Thema Hochwasser" ins sächsische Dresden fuhr. "Die Tschechen machten deutlich, dass bei allen Überlegungen auch ihre Interessen eine Rolle spielen müssen", sagte der Amtsleiter nach seiner Rückkehr gegenüber unserer Zeitung. So hätte sich gerade die Region der Moldau-Kaskaden mit den zahlreichen Stauseen zu einer beliebten Touristenregion entwickelt. Bahnt sich nun ein Sommerhochwasser an, wie im vergangenen Jahr, und würde - um vorsorglich Stauraum zu gewinnen - Wasser abgelassen, hätte dies große Auswirkungen beispielsweise für Wassersportarten und andere Urlaubsaktivitäten. "Dies wäre ein wirtschaftlicher Schaden für die Region, der nicht von der Hand zu weisen ist", so Nieberg. Ähnlich verhält es sich auch in anderen Fragen des Hochwasserschutzes in Tschechien. Es gäbe nicht genügend Polderflächen, meinen Kritiker. Doch häufig wehren sich Bauern dagegen, ihr Land an den Staat für ihrer Meinung nach zu geringe Entschädigungen abzugeben.

Geprüft werden soll nun, ob im Rahmen der europäischen Förderperiode 2014 bis 2020 auch länderübergreifende Projekte des Hochwasserschutzes unterstützt werden können. Einen Rahmen gibt es dafür bereits: Von 2003 bis 2006 hat das von der EU finanzierte Projekt "Ella" eine Grundlage für den transnationalen Hochwasserschutz an der Elbe geschaffen. Der Begriff "Ella" setzt sich aus dem Wort "Elbe" und der tschechischen Bezeichnung für den Fluss "Labe" zusammen. Am Ende der Laufzeit des Projektes unterzeichneten die politischen Vertreter der vier Anrainerstaaten Deutschland, Tschechien, Österreich und Polen eine gemeinsame Erklärung für eine langfristige Zusammenarbeit.

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