Rabeas Studi-Blog

Auslandssemester: Unterschiede Südafrika - Europa

Südafrika ist nicht nur ein anderes Land, sondern liegt auch auf einem anderen Kontinent, und zwar quasi am anderen Ende. Rund 9700 Kilometer trennen mich von zuhause. Da ist es logisch, dass es Unterschiede gibt. Dazu muss ich sagen, dass Stellenbosch als sehr europäisch geprägte und reichste Stadt Südafrikas nicht das gesamte Land widerspiegelt und oft gesagt wird, es sei wie Disneyland. Daher sind die Unterschiede wahrscheinlich auch nicht so extrem wie an anderen Orten in Afrika. In diesem Blogpost möchte ich euch gerne von den größten Unterschieden erzählen, die mir in den letzten 2,5 Monaten aufgefallen sind.

1.     Südafrika liegt auf der Südhalbkugel, auf einem ganz anderen Breitengrad, allerdings auf dem selben Längengrad. Das heißt eine Zeitverschiebung gibt es hier nicht, abgesehen von einer Stunde Unterschied, wenn in Europa die Uhren umgestellt werden, denn das wird hier nicht gemacht. Allerdings sind wie z.B. in Australien oder Neuseeland die Jahreszeiten verschoben, weswegen hier bis Ende August noch Winter war (auch wenn der südafrikanische Winter temperaturmäßig nicht mit dem deutschen zu vergleichen ist, sondern eher wie ein guter Frühlingstag und die Sonne meistens scheint). Ab Ende Oktober ist hier dann Strandwetter angesagt. Daher wird auch die Vorweihnachtszeit für mich ganz anders als ich es aus Europa gewohnt bin.  

2.    Der zweite Punkt befasst sich mit den Transportmöglichkeiten. Im Gegensatz zu Holland laufen die meisten Studenten hier über den Campus, anstatt ein Fahrrad zu nutzen. Außerdem herrscht hier Linksverkehr, woran man auch beim über die Straße laufen immer denken sollte. Uber abends/nachts oder für weitere Strecken ist hier sehr beliebt, da es sehr sicher ist und auch sehr günstig (innerhalb Stellenbosch’s bezahlt man ca. 1,50€ pro Fahrt) und alles unkompliziert über eine App läuft. Denn im Gegensatz zu Europa gibt es hier keinen öffentlichen Nahverkehr bzw. nur Vorortzüge nach Kapstadt und da kann es schnell passieren, dass man für die Fahrt mehr ausgibt als einem lieb ist ;-) Auf dem Campus gibt es auch einen Uni-Shuttle, der aber eigentlich nicht nötig ist, da die Gebäude auf dem Campus alle fußläufig in 5-10 Minuten zu erreichen sind. 

3.    Der größte Unterschied ist hier der Lebensstil, denn mit europäischem Geld kann man hier sehr gut auskommen und lebt recht luxuriös. Zum Beispiel ist es hier auch für Studenten ganz normal, einen Gärtner und eine Haushaltshilfe zu haben. In unserem Haus (zu dritt) kommt diese sogar unter der Woche jeden Tag und wäscht sogar unser Geschirr ab, wäscht die Bettwäsche und so weiter. Das war am Anfang sehr ungewohnt, aber an solche Annehmlichkeiten gewöhnt man sich dann recht schnell. Streit über den Putzplan gibt es also nicht ;-)

Da man hier eine andere Währung hat (den Rand), ist alles recht günstig. Im Supermarkt kommt es drauf an, Käse und Butter sind teurer, während Obst und Gemüse und Avocados (28 Cent pro Stück!) viel günstiger sind. Etwas was sehr angenehm ist, ist dass im Restaurant essen gehen unglaublich günstig ist! Daher bin ich bis jetzt auch sehr oft außerhalb essen gegangen. Beispielsweise bekommt man Wraps schon ab 2,50€, eine Pizza teilweise schon ab 1,50€ im relativ guten Restaurant.

4.    Armut und extremes Wohlstandsgefälle. Der Luxus hier hat auch seinen Preis, denn wenige Kilometer weiter leben Menschen im Township teilweise in Blechhütten. Der Kontrast ist hier sehr extrem, wobei es in Stellenbosch als eine sehr reiche Stadt nochmal stärker auffällt. Die zwei reichsten Menschen Südfrikas leben in Stellenbosch und besitzen mehr als 50% des Vermögens der Gesamtbevölkerung Südafrikas. Deswegen gibt hier auch viele Jobs, die es in Deutschland niemals geben würde, z.B. auf Baustellen immer jemanden, der den ganzen Tag da steht und eine orangene Flagge schwenkt, Tankwarte, Parkwächter und auch im Supermarkt gibt es viel Personal, dass Einkäufe in Tüten einpackt, Obst und Gemüse abwiegt, Backwaren einpackt etc.

Außerdem spiegelt sich die hohe Armut auch in mehr Kriminalität wider. Das heißt allerdings nicht, dass man an jeder Ecke damit rechnen muss umgebracht zu werden ;-) Man sollte einfach mehr auf seine Wertsachen aufpassen und einfache Sicherheitsregeln beachten, z.B. nach Einbruch der Dunkelheit nur noch in Gruppen oder mit dem Uber unterwegs sein oder keine Wertsachen im Auto lassen, und vorallem sollte man sich auch nicht "helfen" lassen am Geldautomaten, wenn man seine Kreditkarte behalten will. Gefahrensituation lassen sich so schon durch den geusnden Menschenverstand vermeiden und ich muss sagen, dass ich in Südafrika noch in keiner Situation Angst hatte (außer am Kap der guten Hoffnung vor den wilden Pavianen, die sind echt aggressiv und brechen sogar in Häuser ein!). Zum Thema Sicherheit kommt aber nochmal ein ausführlicher Blogpost, weil es viele Leute (zu Unrecht) davon abhält, dieses wunderschöne Land zu besuchen. 

5.   Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind Werte, die für wahrscheinlich jeden Deutschen selbstverständlich sind. Hier in Afrika leben die Menschen aber eher nach dem Prinzip der „African Time“. Es gibt bis auf die Uni eigentlich keinen richtigen Zeitplan und wenn gesagt wird, etwas beginnt um 9 Uhr, rechnet man eher ab 9.30 Uhr damit. Allerdings sind die Leute sehr freundlich und positiv eingestellt und es kommt vor, dass Menschen einfach so anfangen zu singen bei der Arbeit. 

Eigentlich gibt es noch zahlreiche andere (kleinere) Unterschiede, aber die alle aufzuzählen, würde den Rahmen springen und ich kann empfehlen, am besten selbst einmal nach Südafrika zu kommen und sich ein Bild zu machen!