Industrial Design

Ein Tag im Leben von Larissa

Ein Tag im Leben von Larissa

Als Larissa vor gut einem Jahr von Bocholt nach Enschede zog, um an der University of Twente Industrial Design zu studieren, kam sie zunächst bei ihren dort lebenden Großeltern unter. „Für den Anfang war das sehr praktisch“, erzählt die 19-Jährige, die einen niederländischen Vater hat. „Mir war es aber wichtig, voll in das Uni-Leben einzutauchen und mit anderen Studenten unter einem Dach zu wohnen.“ Und genau das macht sie seit einigen Monaten. Ihr neues Zuhause: eine 14-köpfige, deutsch-niederländische Wohngemeinschaft mitten auf dem Campus. „Hier fühlt sich das Studieren richtig gut an.“

Larissas Wecker klingelt morgens um viertel vor acht, etwas später als noch zu Schulzeiten und genau eine Stunde vor Seminarbeginn. Nach dem Frühstück geht es – wie in den Niederlanden nicht anders zu erwarten – mit dem „Fiets“ zur Uni. „Mit dem Fahrrad brauche ich hier gerade mal zwei Minuten von Tür zu Tür“, schwärmt Larissa. „Meist habe ich bis halb eins Vorlesungen. Danach radle ich entweder zurück und esse mit meinen Mitbewohnern zu Mittag oder ich treffe mich mit Freunden in der Mensa.“ Wer in der Wohngemeinschaft kocht, wird meist am Sonntag festgelegt. Jeder ist einmal pro Woche an der Reihe – immer gemeinsam mit einem anderen Mitbewohner. „Die Köche und alle, die mitessen wollen, tragen sich in eine Liste ein. So weiß man auch, wie viel eingekauft werden muss“, erklärt Larissa. „Es ist toll, dass man die Mittagspause bei uns zu Hause immer in netter Gesellschaft verbringen kann. Bei schönem Wetter mache ich es mir nach den Vorlesungen aber am liebsten mit einem Snack auf den Campus-Wiesen bequem.“

Praxiserfahrung von Anfang an

Frisch gestärkt und ausgeruht geht es am Nachmittag mit Projektarbeit weiter. Während die Vorlesungen vor allem Wissen vermitteln, steht hier die Praxis im Mittelpunkt. Eine Kombination, die Larissa zu schätzen weiß: „Was wir vormittags lernen, können wir anschließend direkt anwenden. Das ist spitze, auch wenn wir dabei manchmal ins kalte Wasser geworfen werden.“ Momentan stehen „Smart Products“ auf dem Lehrplan. „Unsere Aufgabe ist es in diesem Zusammenhang, eine intelligente Paketbox zu entwickeln, die daheim im Garten stehen und Pakete annehmen kann. Dafür habe ich mit meiner Projektgruppe zunächst ein Modell aus Schaum entworfen, das wir jetzt aus Legosteinen nachbauen.“ Am Ende der 10-wöchigen Projektzeit möchte die Gruppe eine Box präsentieren, die ihre Tür automatisch öffnet. „Im ersten Moment haben wir uns gefragt, wie das zu schaffen ist. Schließlich sind wir noch am Anfang unseres Studiums. Aber durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis lernt man unglaublich schnell. Wenn wir Fragen haben ist außerdem immer ein Dozent zur Stelle.“

Auf dem Campus zu Hause

Mit ihren Kommilitonen spricht Larissa fast ausschließlich Niederländisch. Genauso wie mit ihren Mitbewohnern – obwohl einige von ihnen auch aus Deutschland kommen. „Meine Familie ist zur Hälfte niederländisch, aber da ich in Bocholt aufgewachsen bin, musste ich mich anfangs erst in die Sprache einfinden. Umso besser ist es, dass ich hier auch in meiner Freizeit viele Möglichkeiten habe, mit Niederländern in Kontakt zu kommen.“ Wenn die Studentin nach der Uni noch in die Bücher schauen muss, kann sie sich in ihr Zimmer zurückziehen. „Tür zu heißt bei uns bitte nicht stören. Aber meistens stehen alle Türen weit offen.“ Nach Feierabend setzt Larissa sich deshalb auch gerne mit ihren Mitbewohnern zusammen oder geht mit ihnen ins Kino und zum Feiern in die Innenstadt. „Oder wir spielen abends Fußball auf der Wiese vor unserem Haus. Es dauert dann nie lang, bis sich auch Studenten aus anderen WGs zu uns gesellen.“ Außerdem organisiert die Studienvereinigung regelmäßig Abendveranstaltungen – manchmal sogar ziemlich schicke: „Die Gala der Industrial Design-Studenten fühlte sich zum Beispiel an wie ein großer Abiball, nur eben auf Niederländisch.“

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