Erfahrungen

Sylvia Meijer

Sylvia ist Sekretariatsleiterin des Verwaltungsrats des Medisch Spectrum Twente in Enschede, einem der renommiertesten, niederländischen Krankenhäuser. Sie unterstützt die Entscheidungsprozesse des Verwaltungsrats und des Aufsichtsgremiums und leitet das Verwaltungssekretariat. Für diese Stelle war der Abschluss in Gesundheitswissenschaften die ideale Voraussetzung.

Warum hast du dich dazu entschlossen, Gesundheitswissenschaften zu studieren?

Ich wollte etwas für andere Menschen tun, etwas von gesellschaftlicher Bedeutung. Da landet man schnell in der Gesundheitsversorgung. Medizin war mir zu spezifisch, ich wollte lernen, das Gesundheitswesen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. So habe ich mich für den Studiengang Gesundheitswissenschaften entschieden. Ich hatte auch Amsterdam als Universität in Betracht gezogen, aber die persönliche Atmosphäre des Fachbereichs an der UT entsprach eher meinen Vorlieben. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass alle Aspekte des Gesundheitssystems, angefangen auf der Mikro-/Patientenebene bis hin zur Makro-/Wirtschaftsebene, beleuchtet werden.

Worüber hast du deine Abschlussarbeit geschrieben?

2009 habe ich beim Zentralen Planungsbüro (Centraal Planbureau, CPB), einer Abteilung des niederländischen Wirtschaftsministeriums, in Den Haag die Studie für meine Abschlussarbeit durchgeführt. Thema meiner Arbeit waren die potenziellen Effekte der Wettbewerbsregulierung im Gesundheitswesen. Im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen auf die Dreiecksbeziehung von Gesundheitsdienstleistern, Krankenversicherungen und Patienten habe ich einen ganzen Berg Fachliteratur durchgearbeitet. Unter anderem habe ich herausgefunden, dass die Anzahl der Behandlungen steigt, wenn das Honorar medizinischer Spezialisten in die Berechnung von „Gesundheitsfürsorgeprodukten“ mit einbezogen wird: ein unbeabsichtigter Effekt, der aufgrund einer geplanten Änderung im niederländischen Gesundheitswesen hochaktuell ist.

Wie war nach deinem Abschluss der Start ins Berufsleben?

Bislang reibungslos! Ich konnte direkt bei einem Projekt des niederländischen Patientenverbands anfangen, in dem die Behandlungsqualität in Krankenhäusern bewertet werden sollte. Kurz darauf wurde im Krankenhaus in Enschede eine Stelle in der Qualitäts- und Sicherheitsberatung ausgeschrieben, bei der die Analyse desselben Projekts koordiniert werden sollte. Ich habe also den gleichen Sachverhalt von der anderen Seite betrachtet.

Wie kommt dir dein Studium an deinem heutigen Arbeitsplatz zugute?

Als ich mich als 26-Jährige zum ersten Mal mit den anderen Verwaltungssekretariatsleitern der wichtigsten niederländischen Krankenhäuser, unseren Partnern, getroffen habe, wusste ich nicht, worauf ich mich da eingelassen hatte: fünf erfahrene Männer und Frauen, die über Dinge sprachen, von denen ich kaum den Hauch einer Ahnung hatte. Im ersten Moment musste ich schwer schlucken, aber dann habe ich mich zusammengerissen und ein halbes Jahr später konnte ich bei allem mitreden. In meinem Studium wurden mir die Grundlagen dafür vermittelt. Ich kann bei wichtigen Entscheidungsprozessen aus der Makro- und aus der Mikroperspektive mitdenken.   

Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?

Ich begleite Prozesse auf diversen Ebenen und in unterschiedlichen Kontexten. Jede Woche findet eine Besprechung mit dem Verwaltungsrat und alle zwei Monate mit dem Aufsichtsgremium statt, zwischendurch auch mit Kommissionen und internen sowie externen Beratungsorganen. Viele dieser Termine verlaufen immer nach dem gleichen Schema, aber weil es so viele, unterschiedliche Themen sind, muss man sehr flexibel sein und sich schnell umstellen können. Das muss einem schon gefallen. Ich finde es toll.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich arbeite viel, bin zuverlässig und ehrlich. Dadurch habe ich es an den Punkt geschafft, an dem ich jetzt bin: In meiner derzeitigen Funktion habe ich bisher vor allem daran gearbeitet, eine gute Basis für Verwaltungsentscheidungen zu schaffen. Indem man wirklich jeden so gut wie möglich in diesen Prozess mit einbezieht, verbessert man nicht nur die Qualität und Nachhaltigkeit der Entscheidungen, sondern macht die Arbeit für alle Beteiligten angenehmer. Ich hoffe jedenfalls, dass ich in fünf Jahren behaupten kann, dass das Krankenhaus sich weiterentwickelt hat und dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte.

Chat offline (info)