INTRANET

Frans van Vught interviewed by Michael Schornstheimer, NDR Television (in German)

Michael Schornstheimer für NDR Kultur Journal Red. Joachim Dicks

"Transparency in Diversity – Towards a Classification of European Higher Education Institutions" Tagung in der BBAW

(für 11.07.08)

======================================================================

Moderationshinweise: "Mehr Transparenz für das vielfältige europäische Hochschulssystem" - das ist der Ziel einer internationalen Tagung, die heute in Berlin in der Akademie der Wissenschaften unter Federführung der Deutschen Hochschul-Rektorenkonferenz und zu Ende gegangen ist. Michael Schornstheimer berichtet. =======================================================================

Autor: Unübersichtlich und vielfältig sind die verschiedenen Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten Europas. Aber genau das macht auch ihre Stärke aus, meint der Präsident des "Europäischen Zentrums für strategische Führung der Universitäten" in Brüssel, Frans van Vught. Der gebürtige Niederländer war Rektor und Präsident der Universität von Twente und hat lange in den Vereinigten Staaten gelebt:

Regie: O-Ton Take: 365 Ich habe (...) gesehen, dass die Diversität des Hochschulwesens in den Vereinigten Staaten ganz anders und viel mehr sichtbar ist wie bei uns. Und dann habe ich mir gedacht, als die Rankings entstanden, dass das nicht gut wäre für die Hochschulen in Europa, so hab ich mir gedacht, wir sollen das besser machen. Und dann hab ich mit einigen Freunden zusammengesessen und haben wir gesagt, wie kann man das machen? Und so ist das Projekt entstanden, und die Europäische Kommission hat das interessant gefunden und gesagt, wir werden das ein bisschen finanzieren.

Autor: Die EU-finanzierte, internationale Konferenz tagt zum zweiten Mal. Europäische Hochschulrektoren und Bildungspolitiker beraten darüber, nach welchen Kriterien die unterschiedlichen Hochschultypen in ihren spezifischen Eigenheiten beschrieben und dadurch vergleichbar werden könnten.

Das klingt sehr theoretisch und nach einer langweiligen Fleißarbeit, hat aber, laut van Vught, durchaus Brisanz: Denn die herkömmlichen internationalen Rankings, wie beispielsweise das Shanghai Ranking, begnügen sich mit einigen wenigen Parametern: zum Beispiel fragen sie danach: wie groß ist eine Universität? Wie viele Nobelpreisträger hat sie hervorgebracht? wie viele Veröffentlichungen sind von ihren Wissenschaftlern in der renommiertesten Fachzeitschriften wie Nature oder Science erschienen?:

Regie: O-Ton Take: 395 Und dann vergleichen sie alle Institutionen mit allen Institutionen. Und immer dasselbe kommt raus! Die Amerikanischen Universitäten sind die besten und ein paar europäischen, aber immer die gleichen. Einen Klassifikation ist erst mal der Versuch, die Äpfel zu finden und die Äpfel miteinander zu vergleichen und die Birnen miteinander zu vergleichen und die Bananen miteinander zu vergleichen und nicht notwendig alles zusammen und wir machen ein Hierarchie-System. Das ist nicht fair. Wenn man eine Fachhochschule in Deutschland vergleicht mit Harvard oder Yale, dann ist das ein unfairer Vergleich. Eine Fachhochschule in Holland oder Finnland wird nie vergleichbar sein mit Harvard-University. Und darum glauben wir, dass das Finden der Kategorien so wichtig ist.

Autor: Solche Kategorien könnten die angebotenen Lehrfächer sein, die möglichen Abschlüsse, Aufbaustudiengänge, Forschungsleistungen und internationale Ausrichtung. Das Projekt steckt in der Entwicklungsphase. Herauskommen soll dabei mehr Transparenz für alle Beteiligten: Studierende könnten so besser die Hochschule finden, die zu ihnen passt. Bildungspolitiker differenzierter entscheiden und auch Wirtschaft und Industrie könnten davon profitieren, meint van Vught:

Regie: O-Ton Take: 155 Aber das wichtigste ist, dass die Institutionen, die Hochschulen und Universitäten das brauchen. Sie können das brauchen, um ihr eigenes Profil zu entwickeln und zu erfinden, wie sie sind, was sie sein möchten, was ihre Strategie für die Zukunft sein würde. Und wie die Nachbarn aussehen. Wo sind wir in dieser ganz großen Diversität von Hochschulen, was können wir bekommen, in Zukunft, was sind wir jetzt? Ein strategisches Instrument für die Hochschulen, das ist der wichtigste Gebrauch.

Autor: Es gehe ihm nicht darum, noch weiter am Effizienz- und Nützlichkeitsdenken zu schrauben, beteuert der niederländische Bildungsmanager. Ökonomische Verwertbarkeit sei nicht das Ziel. Allerdings: ob ein noch raffinierter ausgeklügeltes Ranking-System am Ende nicht doch reihenweise Verlierer produziert, die im forcierten Hochschulwettbewerb auf den letzten Plätzen landen und dadurch dem Untergang geweiht sind, kann auch er nicht ausschließen.